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      „Aachen – RWTH, ihre Start-ups und ich (oder Sie?)“: Konzerne und die Start-up Welt. Corporate Venturing – Corporate Venture Capital, Corporate Incubation

      1.Corporate Venturing

      Die Bedeutung von Start-ups und ihren Innovationen, sowie von Venture Capital[1] als ihre Treiber, ist unumstritten.[2]

      Unter den zahlreichen Stakeholdern des Start-up Ökosystems[3] befinden sich auch immer mehr etablierte Unternehmen und Konzerne. Warum ist das so?

      Konzerne können mitunter schwerfällig sein, starre Strukturen und komplexe oder langwierige Entscheidungswege haben. Start-ups hingegen sind dynamischer, können innovative Ideen schneller entwickeln und an den Markt bringen und sich dadurch ggf. einen Wettbewerbsvorteil sichern. Dies setzt etablierte Unternehmen zunehmend unter Druck; um ihre Stellung am Markt gegen diese dynamischen Start-ups zu verteidigen und nicht von diesen überholt oder gar abgehängt zu werden, müssen die Konzerne hinsichtlich der Innovationen und Entwicklungen in ihren Marktsegmenten „am Ball bleiben“. Zu diesem Zweck beteiligen sich die Konzerne neben ihrer eigenen Forschung und Entwicklung[4] vermehrt am Geschehen in der Start-up Welt – betreiben also Corporate Venturing. Unter anderen nimmt das Corporate Venturing insbesondere zwei Formen an – (i) Corporate Incubation und (ii) Corporate Venture Capital (CVC):

      • (i) Corporate Incubation. Auf unabhängige Inkubatoren als „Player“ des Start-up Ökosystems sind wir bereits an anderer Stelle eingegangen.[5] Aber auch Konzerne setzen vermehrt ihre eigenen Inkubator-Programme auf. Diese können verschiedene Formen annehmen, basieren aber grundsätzlich auf der Idee, in (separierten) flexibleren und dynamischeren Einheiten des Konzerns (interne oder ggf. auch externe) Innovationen (die nicht unbedingt zum Kerngeschäft des Konzerns gehören) voranzutreiben, welche der Unternehmensgruppe aber mittel- bis langfristig zugutekommen können. In diesem Zusammenhang werden auch mitunter sog. Ausgründungen vorgenommen (d.h. die an der Innovation beteiligten Mitarbeiter gründen gemeinsam mit dem Konzern ein Start-up, in dem die Innovation (ggf. unter Beteiligung weiterer „klassischer“ VC-Investoren) weiter vorangetrieben wird).

       

      • (ii) Corporate Venture Capital. CVC ist das Risikokapital, das etablierte Unternehmen zur Finanzierung von innovativen Start-ups einsetzen. Wie klassische VC-Investoren übernehmen die Konzerne hierbei in der Regel eine Beteiligung am Start-up. Es gibt jedoch Unterschiede zwischen VC und CVC, welche Vor- und Nachteile für die Start-ups mit sich bringen. In jedem Fall kann man sagen, dass Corporate Venture Capital ein wichtiger Bereich der VC Welt geworden ist, an dem sich zahlreiche namhafte Konzerne beteiligen.[6] Wir wollen also auf CVC im Folgenden etwas detaillierter eingehen.

       

      2.Corporate Venture Capital und dessen Vor- und Nachteile

      Während klassische VC-Gesellschaften ausschließlich das Ziel der Rendite-Optimierung verfolgen, ist die Zielsetzung bei CVC (welches in der Regel über durch die Konzerne gegründete CVC-Gesellschaften, die eigens zu dem Zweck, in Start-ups zu investieren, ins Leben gerufen werden, zur Verfügung gestellt wird) zweierlei. CVC-Gesellschaften setzen auch auf finanzielle Rendite, der strategische Aspekt des Investments spielt aber ebenfalls eine wichtige Rolle (siehe die Ziele der Konzerne unter Punkt I.) – abhängig von der Ausrichtung eines CVC-Players und/oder des Target Start-ups kann die Bedeutung des finanziellen oder des strategischen Aspekts jeweils mehr oder weniger bedeutsam sein.

      Aufgrund des strategischen Aspekts von CVC investieren CVC-Gesellschaften in der Regel in Start-ups, deren Geschäftsmodell zumindest irgendwie mit dem Geschäft des Konzerns in Verbindung steht (z.B. weil es zur Entwicklung des Geschäfts des Konzern beitragen kann, Synergien entstehen können, eine Komplementarität erwartet wird, es Einsicht in die Entwicklung des eigenen oder angrenzender Märkte sowie die Möglichkeit, frühzeitig entsprechend zu reagieren, bietet, etc.). Solche Investments erlauben den Konzernen also einerseits eine Beobachtung, ein „Dranbleiben“ an den Innovationen ihres (erweiterten) Marktes („Window on Technology“), aber auch einen schnelleren und früheren Zugang zu diesen Innovationen.

      CVC-Gesellschaften treten Start-ups meist eher in den früheren Stadien ihres Lebenszyklus als Investoren bei – was sie u.a. auch zu einer interessanten Investorengruppe für die frisch von der RWTH kommenden Aachener Start-ups macht.

      Insbesondere in den frühen Phasen des Start-upschen Lebens haben die Konzerne den Start-ups neben finanziellen Mitteln nämlich auch viele interessante Mehrwerte zu bieten – mit Know-how, Erfahrung, Ressourcen, etablierten Vertriebswegen, existierenden Kunden, operativer Unterstützung oder als (erster) (Haupt-)Kunde bzw. (Haupt)-Lieferant, etc. können die Konzerne als Partner von maßgeblichem Interesse für Start-ups sein. Darüber hinaus genießen Start-ups in Portfolios von CVC-Gesellschaften häufig erhöhte Aufmerksamkeit. Weitere Vorteile können mit der Beteiligung einer CVC-Gesellschaft für Start-ups einhergehen. Zum Beispiel[7] können zwischen Start-up und Konzern Synergien entstehen; das Start-up kann von der Reputation des Konzerns profitieren und die Beteiligung des Konzerns kann die Glaubwürdigkeit des Start-ups erhöhen; CVC-Gesellschaften haben üblicherweise nicht den Rendite- und Exit-Druck wie ihn klassische VC-Investoren aufgrund wiederum ihrer eigenen Investoren sowie der begrenzten Laufzeit des Fonds haben und können somit längerfristig investieren; auch haben sie häufig keine Anlagebeschränkungen; etc.

      Die Beteiligung einer CVC-Gesellschaft kann jedoch auch gewisse Nachteile mit sich bringen; nachfolgend einige Beispiele. Der Umstand, dass klassische VC-Fonds nicht unbedingt immer begeistert über die Beteiligung einer CVC-Gesellschaft sind, ist nicht neu. Dies kann diverse Gründe haben, u.a. wird mitunter befürchtet, dass CVC-Gesellschaften bereit sind, höhere Bewertungen zu akzeptieren als klassische VC-Gesellschaften; dass ein Stratege die Beteiligung eines weiteren Strategen blockiert, wenn Letzterer ein Konkurrent des Ersteren ist; oder dass durch die Beteiligung eines Strategen der Exit an einen Dritten erschwert oder nur zu geringerer Bewertung möglich sein könnte (auch wenn ein Konzern in anderen Konstellationen wiederum ein willkommener Exit-Kanal sein kann). Eine Sorge, die Start-ups und VC-Fonds ggü. CVC-Gesellschaften teilen, ist diejenige, dass Know-how des Start-ups an den hinter der CVC-Gesellschaft stehenden Fonds abfließen könnte – hiergegen können sich Start-ups (die in Deutschland üblicherweise als GmbHs strukturiert sind) nur sehr begrenzt schützen. Darüber hinaus hängt die (gute) Reputation des Start-ups wohl auch zumindest zu Teilen an der des Konzerns – d.h. bei negativer Entwicklung besteht die Gefahr, dass ein Start-up bei Untergang des Konzerns mitgerissen würde. Die häufig strengeren Reporting-Pflichten ggü. CVC-Gesellschaften sowie langsamere Entscheidungsprozesse bei den hinter den CVC-Gesellschaften stehenden Konzernen, können negative Begleiterscheinungen sein, die die hinter CVC stehende Konzernwelt mit sich bringen kann. Letztlich kann die Beteiligung eines Strategen das Risiko erhöhen, dass diese Beteiligung der Fusionskontrolle unterliegt.

      Das Investment durch eine CVC-Gesellschaft birgt für ein Start-up also viele Chancen, jedoch auch Risiken, die es zu adressieren gilt.

      Wenn Sie

      • ein Start-up auf Investorensuche sind und das Investment eines Strategen in Betracht ziehen,
      • eine CVC-Gesellschaft sind und sich Unterstützung bei ihren Investment Aktivitäten wünschen, oder
      • ein Konzern sind, der sich an der Start-up Welt beteiligen will,

       

      sprechen Sie uns gern an!


      [1] Zum Begriff Venture Capital, siehe: https://www.neumann-schmeer.com/de/?p=4525&preview=true
      [2] Siehe hierzu auch: https://www.neumann-schmeer.com/de/aachen-rwth-ihre-start-ups-und-ich-oder-sie-venture-capital-eine-option-spannende-investment-opportunitaeten-und-die-foerderung-von-aachens-wachstum-zu-komb/
      [3] Siehe auch: https://www.neumann-schmeer.com/de/?p=4525&preview=true
      [4] Laut der KfW Venture Capital Studie 2020 lässt sich auf Industrie- und Länderebene für VC-Investments jedoch ein höherer Innovationsoutput verzeichnen als bei unmittelbaren Ausgaben für Forschung und Entwicklung.
      [5] Siehe: https://www.neumann-schmeer.com/de/?p=4525&preview=true
      [6] Um nur einige zu nennen: Siemens; Porsche; Axel Springer; Henkel; BMW; Telekom; Miele.
      [7] Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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