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      „Aachen – RWTH, ihre Start-ups und ich (oder Sie?)“: Venture Capital – Was ist es und wer stellt es bereit?

      1.Was ist Venture Capital?

      Der englische Begriff „Venture Capital“ (VC) wird ins Deutsche wörtlich mit „Risikokapital“ oder „Wagniskapital“ übersetzt. Es handelt sich hierbei um eine auf Start-ups zugeschnittene Form der Finanzierung.

      Start-ups benötigen in ihrer Anfangsphase (und darüber hinaus) häufig rasch finanzielle Mittel, um die innovativen Ideen der Gründer erfolgreich umsetzen zu können. Das Profil von Start-ups lässt in der Regel die Beschaffung der üblichen Finanzierungen wie Bankenkredite nicht zu (mangelnde Sicherheiten, Risikoprofil, Cashflow). Venture Capital füllt diese Lücke, indem es den Start-ups Zugang zu externer Finanzierung verschafft – welche Start-ups häufig für die Umsetzung ihrer Pläne benötigen (abhängig vom Business Modell des jeweiligen Unternehmens vornehmlich für Entwicklung, Go-to-Market, Skalierung, etc.).

      Venture Capital Finanzierung charakterisiert sich insbesondere dadurch, dass der Wagniskapitalgeber dem Start-up langfristig (in aller Regel nicht besichertes) Eigenkapital (und nicht, wie Banken, Fremdkapital) zur Verfügung stellt, also eine Beteiligung an der Unternehmung – dem Venture – erwirbt und somit gemeinsam mit den Gründern Mitgesellschafter des Start-ups wird.[1] Der VC-Investor hat demnach keinen Anspruch auf Rückzahlung seiner eingesetzten Mittel; er partizipiert gemeinsam mit den Gründern am unternehmerischen Risiko (im schlimmsten Fall bis zum Totalverlust – die Bezeichnung Wagnis- oder Risikokapital ist also durchaus passend), hat aber entsprechend auch ähnliche (hohe) Renditechancen.

      Venture Capital Investoren setzen sich demzufolge zunächst einmal ins gleiche Boot wie die Gründer, was prima facie zu einer grundsätzlichen Interessenkongruenz zwischen Investoren und Initiatoren der Start-up Unternehmung führen sollte. In der Umsetzung ist dieser Grundsatz jedoch deutlich vielschichtiger[2] – und die gemeinsame Aufstellung der Gründer und Investoren für das Schreiben einer Start-up Erfolgsstory ist ein hochkomplexes Handwerk mit zahlreichen Herausforderungen und miteinander in Einklang zu bringenden Aspekten.

      2.Wer stellt Venture Capital bereit – vor allem im Anfangsstadium?

      In aller Regel benötigen Start-ups im Laufe ihres „Lebens“ häufiger als nur einmal externes Kapital, welches Investoren einem Start-up im Rahmen sog. Finanzierungsrunden zur Verfügung stellen. Da Start-ups – auch wenn eines ihrer zentralen Merkmale (im Idealfall) ihre Einzigartigkeit sein sollte – im Laufe ihrer Existenz typische Phasen[3]durchlaufen, haben sich am Markt auch auf diese verschiedenen Phasen zugeschnittene Investorentypen herauskristallisiert. Venture Capital Investoren lassen sich im Wesentlichen in die Kategorien Friends, Family & Fools, Inkubatoren und Acceleratoren, Privatinvestoren, VC-Gesellschaften und Konzerne gliedern.

      Für das Aachener Start-up Ökosystem und seine frisch von der RWTH kommenden Start-ups sind insbesondere die in den frühen Anfangsphasen ihres Lebenszyklus aktiven Investoren relevant[4] – daher gehen wir auf diese im Folgenden kurz ein.

      Friends, Family & Fools stammen meist aus dem näheren Umfeld der Gründer und stellen typischerweise im ganz frühen Anfangsstadium der Unternehmung Kapital bereit. Meist existiert zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel mehr als eine Idee (dessen Umsetzbarkeit zunächst noch zu analysieren ist) sowie erste grobe Pläne und ggf. Konzepte. Ebenfalls zu Beginn des Start-upschen Lebenszyklus sind Inkubatoren und Acceleratoren relevant – neben Infrastruktur und professionellen Beratungsleistungen bieten diese regelmäßig ebenfalls Startkapital an. Das in dieser Phase eingesammelte Kapital stellt zwar in der Regel noch keine beträchtlichen Summen dar, die erhaltene Unterstützung ist jedoch sehr wertvoll für die Lancierung des Start-ups.

      Etwas später im noch jungen Leben der Start-ups treten dann weitere Investoren auf den Plan. Detailliertere Produkt-Konzeptionierung und Strategie, (fortgeschrittene) Prototypen oder sogar erste rudimentäre Produkte[5] (ggf. schon bereit, am Markt getestet zu werden) sind regelmäßige Milestones dieser Phase. Die für dieses Stadium relevanten Investoren sind insbesondere Privatinvestoren sowie auf diese Entwicklungsphase spezialisierte VC-Gesellschaften (meist als Fonds organisiert)[6]. Die informellen Privatinvestoren dieser Phase sind neben Angel-Investoren oder Business Angels, die häufig neben Kapital auch unternehmerische Erfahrung und/oder Know-How mitbringen, auch zunehmend Family Offices, die das Vermögen wohlhabender Familien verwalten. Zusätzlich kommen auch Konzerne bereits zu diesem Zeitpunkt ins Spiel und sichern sich mit sog. Corporate Venture Capital Beteiligungen an Start-ups und Zugang zu deren Innovationen („Window on Technology“).[7]

      Nach diesen ersten für Aachen besonders relevanten Anfangsphasen der Anschubfinanzierung spielen in den darauffolgenden Lebenszyklen des Start-ups, in denen das Start-up sich hoffentlich mittel- bis langfristig zu einem operativ tätigen und erfolgreichen Unternehmen am Markt entwickelt, als Investoren dann vermehrt die auf die jeweiligen Lebenszyklen der Start-ups spezialisierten VC-Gesellschaften eine maßgebliche Rolle.[8]

      Auch wenn hinter den Beteiligungen mancher Venture Capital Investorentypen teilweise auch zusätzliche Motivationen stehen,[9] so arbeiten Venture Capital finanzierte Start-ups doch in aller Regel über die verschiedenen Lebenszyklen hinweg auf das leuchtende Ziel des großen Exits hin – das bedeutet letztlich meist die Veräußerung der Anteile des Start-ups (Trade Sale) oder seiner wesentlichen Vermögenswerte (Asset Deal), oder (in Deutschland seltener) den Börsengang (Initial Public Offering – IPO). Mit dem Exit wird die hoffentlich erhebliche Wertsteigerung der Unternehmensbeteiligungen, die die Gründer sowie die Venture Capital Investoren am (dann wohl nicht mehr wirklich als solches zu bezeichnenden) Start-up halten, realisiert – es wird also Kasse gemacht, die Gründer werden für ihre harte Arbeit und die Investoren für ihren guten Riecher (und ihre Unterstützung) belohnt. Der Weg dorthin ist jedoch steinig und sollte neben guten Vorsätzen auch mit professionellen Beratern gepflastert sein…

      Wenn Sie sich bei der Gestaltung der komplexen Start-upschen Lebensgeschichte handwerkliche Unterstützung und einen vertrauensvollen Partner an Ihrer Seite wünschen – sprechen Sie uns gerne an!

       
      [1] Im Umfeld der klassischen Venture Capital Finanzierung im engeren Sinne entstehen regelmäßig weitere Mischformen der Finanzierung, sog. Mezzaninekapital (Wandeldarlehen, Nachrangdarlehen (ggf. partiarisch), Genussrechte, stille Beteiligung, etc.).
      [2] Nicht zuletzt aufgrund der Vielzahl an verschiedenen Investorentypen – siehe unten unter II.
      [3] Die diese Phasen bezeichnenden Begriffe (häufig hippe, meist englische Namen) werden in der Start-up Szene nicht ganz einheitlich verwendet. Um Verwirrung zu vermeiden – und weil, wenn wir ehrlich sind, nicht die coolen Namen, sondern was dahintersteckt, relevant ist – haben wir an dieser Stelle bewusst auf eine Auflistung verzichtet.
      [4] Siehe hierzu: https://www.neumann-schmeer.com/de/aachen-rwth-ihre-start-ups-und-ich-oder-sie-venture-capital-eine-option-spannende-investment-opportunitaeten-und-die-foerderung-von-aachens-wachstum-zu-komb/
      [5] In der Lean Start-up Methode auch „Minimum Viable Product“ also „Minimal überlebensfähiges Produkt“ genannt.
      [6] Manche dieser Fonds sind staatlich gefördert, insbesondere wenn der Fokus auf Investment in Tech Start-ups liegt. Das bekannteste Beispiel hierfür ist in Deutschland wohl der High-Tech Gründerfonds.
      [7] Siehe hierzu weiterführend: https://www.neumann-schmeer.com/de/?p=4529&preview=true
      [8] Dies ist nicht zuletzt aufgrund der steigenden Investitionssummen in diesen folgenden Finanzierungsrunden der Fall, die entsprechend aufgestellte institutionelle Investoren einfach besser aufbringen können.
      [9] Dies gilt insb. für Konzerne – siehe hierzu: https://www.neumann-schmeer.com/de/?p=4529&preview=true

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